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Zwergschwäne als Wintergäste in der Breddorfer Niederung

Die Breddorfer Niederung (B.N.) und das Huvenhoopsmoor – etwas nördlicher – runden das Teufelsmoor im NE ab; sie sind Teil des Landkreises ROW; Östlich ist die Niederung begrenzt durch die Gemeinden Breddorf (mit Hanstedt) und Hepstedt, zur Samtgemeinde Tarmstedt gehörig. Der kleinere (westliche) Teil der B.N., mit den Ortschaften Ostersode, Heudorf, Hüttendorf und Hüttenbusch, gehört zum Landkreis OHZ und zur Gemeinde Worpswede. Hier schließt sich westlich die Hammeniederung an.

Man erinnert sich zwar an die trockenen Sommer 2019 und 2020. In der Regel produziert der WORPSWEDER HIMMEL aber satte Niederschläge. Dieses Wasser führen die Bäche Rummeldeisbeek und Schmoo aus der B.N. zur Hamme hin. Den Wasserstand reguliert im Interesse der Landwirtschaft der Gewässerschutz- und Landschaftspflegeverband (GLV) Teufelsmoor. Die Rummeldeisbeek hat zur Zähmung des Wasserabflusses sogar ein Hochwasser-Rückhaltebecken erhalten. Auf dieses kommen wir noch einmal zurück. 
Nur nebenbei: Die Niederschlags-Verhältnisse sind jedenfalls ein Grund dafür, dass mit einer Adresse 27726 Breddorfermoor eine Katastrophenschutzversicherung für Wohngebäude schwer zu bekommen ist.

Zunehmend wird Energiemais angebaut (für dessen Reste sich auch die Kraniche interessieren). Aber man findet in der B.N. immer noch einiges Feuchtgrünland vor. Das zieht auch andere Vogelarten an: 
Zwergschwäne und Singschwäne, auch einige Wildgansarten sind geschätzte Gäste im Winterhalbjahr. 
Die Zwerg- und Singschwäne – als Rote Liste-Arten – genießen den Schutz der Europäischen Vogelschutzrichtlinie. Theoretisch – nicht aber unmittelbar. Das nationale Naturschutzrecht hat die Richtlinie umzusetzen.

Nicht nur in Deutschland fehlt es weitgehend am prompten Vollzug. Fast immer stehen die örtlichen Interessen insbesondere der Landwirtschaft im Weg. Das Bundesland Niedersachsen mit seinem hohen Flächenanteil an Feuchtgrünland ist nicht zu beneiden. Es hat dementsprechend viele Konflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu bewältigen. In zahlreichen krassen Fällen ging es es letztlich nicht ohne Anrufung des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) ab. Und es ist kein Ende abzusehen.
Der Energiehunger der Gesellschaft wird auch die Windstrom-Produktion vorantreiben, ein Konfliktfeld mehr!

Sehen wir uns das Problem aus der Sicht der rastenden Zwergschwäne an, die unser Gebiet im Winterhalbjahr aufsuchen. Darüber geben die Daten der monatlichen Wat- und Wasservogelzählung Auskunft. 
In den Monaten Dezember bis März sind oft sogar wöchentliche Kontrollen von Nutzen. 
Die seit Jahrzehnten erfassten Daten belegen eindrucksvoll den naturschutzfachlichen Wert des Gebiets.

Der benachbarte Landkreis ROW verhält sich keineswegs vorbildlich; immerhin hat er im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) 2019 festgestellt, dass die BN bis hin zur Kreisgrenze im Westen eigentlich mindestens Landschaftsschutz genießen müsste. Mit etwas Mut wäre also mehr “drin” gewesen. Man hatte das Naturschutzinteresse erkannt, vorerst zufrieden, dass man mit diesem Argument in der BN einen Vorrang für Windkraft ausschließen konnte. Dafür war die Vogelschutzrichtlinie gerade gut genug. 
Aber, halten wir fest: diese Entscheidung stützte sich auf das Rastvorkommen der Zwergschwäne! 
Die Zwergschwäne übernachten gern auf Wasserflächen, die jedenfalls den Fuchs wirksam fernhalten. Das Huvenhoopsmoor bietet sich dazu an. Aber auch das Hochwasser-Rückhaltebecken der Rummeldeisbeek hat als Schlafplatz gute Dienste getan, fast in jedem Winter. Das ist fachlich dokumentert und jederzeit nachweisbar (z. B. für den 2.3.2016 -126 Ind. und 4.3.2016 – 138 Ind.). In einem Radius von 3 km um diesen Zwergschwan-Schlafplatz ist kein Raum für Windkraft-Anlagen. Wie der Landkreis OHZ bei der Aufstellung seines neuen RROP zu einem anderen Ergebnis kommen würde, kann man sich kaum vorstellen.

Der Zwergschwan Cygnus bewickii ist im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie genannt.
Die Richtlinie schützt die Lebensräume wildlebender Vogelarten, da ein reiner Artenschutz ohne den gleichzeitigen Schutz der Biotope keine Wirkung hat. Zum Schutz von Zugvögelnbraucht es insbesondere Vogelschutzgebiete und Schutzmaßnahmen auch für die Mauser- und Überwinterungsplätze. Sie sind auf Raststationen angewiesen sind, um ungestört nach Nahrung zu suchen und um sich ausruhen zu können, damit sie auf ihren Zugwegen innerhalb weniger Tage mehrere Länder durchfliegen können.
Der Zwergschwan brütet in den Tundren Eurasiens, von der Halbinsel Kola bis etwa zur Mündung des Flusses Kolyma in Ostsibirien. Das gesamte Brutgebiet liegt damit im nördlichen Russland. Im Herbst zieht ein westlicher Teil über das Weiße Meer und die Ostsee nach Süden und überwintert an der deutschen und niederländischen Nordseeküste, in England und Irland. In Deutschland ist der Zwergschwan als eine Verantwortungsart innerhalb der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung eingestuft.

Foto: BioS-Archiv

Kraniche

Mit der Wiedervernässung von Teilen des Teufelsmoores Ende der 90ziger Jahre hat die Region um Worpswede und speziell der nördliche Teil um Heudorf und dem Breddorfer Moor an Bedeutung als Durchzugs- und Rastgebiet gewonnen. Man schätzt, dass um die 25.000 Kraniche jedes Jahr diese Gegend für 4 bis 6 Wochen als Rastplatz auf ihrer Reise in den Süden nutzen.

https://www.butenunbinnen.de/videos/huettenbusch-kraniche-beobachten-fernglas-natur-voegel-100.html

Im Frühjahr aber noch mehr im Herbst kann man dort ein einzigartiges Naturschauspiel beobachten, wenn große Populationen von mehreren hunderten von Kranichen sich Tag für Tag von ihren Ruheplätzen im Günne- oder Huvenhoopsmoor zur Nahrungsaufnahme und Ruhen auf die Wiesen und Felder um Heudorf und im Breddorfer Moor begeben. Dort verbringen sie den größten Teil des Tages und kehren gegen Abend in großen Schwärmen zu ihren Ruheplätzen zurück.

Bei der Vorbereitung des aktuell noch gültigen RROPs des Landkreises OHZ im Jahr 2011 verlor das Heudorfer Gebiet die Eignung als Windkraftpotenzialfläche, als das Kriterium „naturschutzfachliche Bedeutung“ mit einbezogen wurde.

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